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Recap: Fotoworkshop bei den Dülmener Wildpferden

Manche Dinge nimmt man sich jahrelang vor und schafft sie trotzdem nie. Bei mir waren das die Dülmener Wildpferde im Merfelder Bruch.

Meine Verbindung zu den Wildpferden reicht bis in meine Kindheit zurück. Damals hat mich das Buch „Jan und das Wildpferd“ begeistert und bei mir den Wunsch geweckt, diese Pferde irgendwann einmal selbst zu sehen. Das eigentlich Kuriose daran: Dülmen liegt für mich gar nicht besonders weit entfernt. Trotzdem sind viele Jahre vergangen, ohne dass ich dort war.

Ähnlich war es irgendwann mit der Fotografie. Vor rund zehn Jahren war meine Kamera noch regelmäßig dabei. Mit kleinen Kindern wurde aus der Fototasche dann die Wickeltasche und für viele Bilder im Alltag musste irgendwann das Smartphone reichen. Durch meine Arbeit bei Foto Erhardt habe ich in den vergangenen Monaten wieder häufiger eine Kamera in die Hand genommen, unterschiedliche Technik ausprobiert und dabei gemerkt, wie viel Spaß mir dieses Hobby eigentlich immer noch macht.

Als ich dann auf den Workshop „Dülmener Wildpferde im Fokus“ der Foto Erhardt Akademie aufmerksam wurde, kamen diese beiden Geschichten zusammen: ein Ort, den ich seit meiner Kindheit einmal besuchen wollte, und ein Hobby, das ich gerade neu für mich entdecke. Also: Kameratasche packen und endlich ab in den Merfelder Bruch.

Seit Jahrhunderten leben Pferde im Merfelder Bruch

Noch bevor wir die ersten Pferde sahen, wurde schnell klar, dass hinter dem Merfelder Bruch weit mehr steckt als einfach nur eine große Fläche mit vielen Tieren. Die Dülmener Wildpferde wurden bereits 1316 erstmals urkundlich erwähnt. Damals erstreckte sich ihr Lebensraum noch über mehrere Tausend Hektar. Mit zunehmender Besiedlung, Landwirtschaft und Infrastruktur wurde dieser Lebensraum immer kleiner. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts stellte die herzogliche Familie von Croÿ den Pferden deshalb ein geschütztes Reservat zur Verfügung.

Heute umfasst die Wildpferdebahn rund 500 Hektar und dort leben ungefähr 400 Dülmener Wildpferde. Seit 1956 steht das Gebiet unter Naturschutz. Die Wildbahn ist bereits seit fast 200 Jahren eingezäunt, 2022 wurde der Zaun durch eine wolfssichere Variante ersetzt.

Das Besondere dabei: Die Herde hat keinen wirtschaftlichen Zweck. Sie erinnert an eine Zeit, in der es an mehreren Stellen Westfalens vergleichbare Pferdeherden gab, und dient heute dem Natur- und Artenschutz. Die Dülmener gelten dabei nicht als klassische Pferderasse im züchterischen Sinn. Anders als bei gezielt gezüchteten Rassen wurden hier nicht über Generationen bestimmte menschlich definierte Merkmale selektiert. Stattdessen soll sich die Herde möglichst natürlich entwickeln. Sie wird deshalb als letzte naturselektierte Pferdeherde Europas beschrieben.

Mit Fototrainerin und Forstoberinspektorin unterwegs

Der fotografische Teil unseres Workshops wurde von Bettina Meyer von der Foto Erhardt Akademie begleitet. Bettina verfügt über jahrzehntelange fotografische Erfahrung und kennt durch ihre tägliche Arbeit mit unterschiedlichen Kamerasystemen eine große Bandbreite an Technik.

Für den naturkundlichen Teil begleitete uns die Forstoberinspektorin Friederike Rövekamp durch den Merfelder Bruch. Gerade diese Kombination fand ich besonders spannend, weil sich dadurch Fotografie und Hintergrundwissen ideal ergänzt haben. Auf der einen Seite ging es um die Frage, wie ich eine bestimmte Situation fotografisch gut festhalte. Auf der anderen Seite bekamen wir gleichzeitig erklärt, was wir da eigentlich gerade beobachten.

Und genau das verändert auch die Art zu fotografieren.

400 Wildpferde – aber nicht eine einzige große Gruppe

Auf den ersten Blick sieht man natürlich erst einmal sehr viele Pferde. Wenn man sich etwas länger mit der Herde beschäftigt, erkennt man aber schnell, dass sie aus zahlreichen kleineren Familienverbänden besteht. In der Regel umfassen diese Gruppen etwa drei bis 15 Tiere und werden jeweils von einer Leitstute angeführt. Auch zwischen den einzelnen Familienverbänden gibt es Rangordnungen und klare Strukturen, die für Stabilität und Orientierung innerhalb der Herde sorgen.

Wenn man weiß, worauf man achten muss, beginnt man diese kleinen Gruppen irgendwann auch selbst zu erkennen. Innerhalb der Familienverbände geben die Pferde wichtige Verhaltensweisen weiter. Sie lernen voneinander, wie sie sich ernähren, pflegen und innerhalb ihres Lebensraums verhalten.

Dabei soll die Herde möglichst unabhängig vom Menschen bleiben. Die Pferde werden zwar täglich von Mitarbeitern kontrolliert, leben ansonsten jedoch weitgehend ohne direkte menschliche Eingriffe. Eine regelmäßige tierärztliche Betreuung wie bei Hauspferden gehört bewusst nicht zu diesem Konzept. Das Ziel ist, die natürliche Entwicklung und damit auch die natürliche Selektion innerhalb der Herde möglichst weitgehend zu erhalten.

Der Wald ist weit mehr als nur ein Rückzugsort

Auch der Lebensraum selbst spielt eine entscheidende Rolle. Der Wald bietet den Pferden Schutz vor Witterung, Hitze und Insekten und ist gleichzeitig ein wichtiger Bestandteil ihrer Nahrungsgrundlage. Unter anderem nutzen die Tiere die Rinde verschiedener Baumarten zur Nahrungsergänzung.

Damit der Wald durch zu starken Verbiss nicht langfristig geschädigt wird, wird die Herde im Winter zusätzlich mit Heu versorgt. Auch beim Wasser greift der Mensch nur dort unterstützend ein, wo es notwendig ist. In den Sommermonaten wird Grundwasser in Tränkebecken gepumpt, um die Wasserversorgung der Pferde sicherzustellen.

Dadurch entsteht ein interessantes Gleichgewicht: möglichst viel natürliche Entwicklung, aber gleichzeitig gezielte Unterstützung dort, wo der begrenzte Lebensraum dies erforderlich macht.

Nicht einfach Pferde fotografieren – Verhalten beobachten

Genau diese Hintergründe haben für mich während des Workshops vieles verändert. Plötzlich sucht man nicht mehr nur nach einem „schönen Pferd“, sondern achtet viel stärker auf Beziehungen und kleine Situationen innerhalb der Herde. Zwei Pferde stehen eng zusammen und beknabbern sich gegenseitig, eine kleine Gruppe grast, während eines der Tiere aufmerksam den Kopf hebt, ein anderes Pferd wälzt sich im Sand und Jungtiere suchen die Nähe zueinander.

Solche Situationen erzählen viel mehr über die Herde als ein einzelnes Porträt. Das gegenseitige Beknabbern stärkt beispielsweise vor allem die sozialen Bindungen innerhalb der Gruppe, während die eigentliche Fellpflege unter anderem über Sandbäder erfolgt. Im Sommer stehen die Pferde teilweise so eng beieinander, dass sie sich gegenseitig mit ihren Schweifen die Fliegen vertreiben können. Im Winter suchen sie dagegen verstärkt Schutz im Wald und wärmen sich teilweise eng aneinander gedrängt gegenseitig.

Gerade fotografisch sind solche Situationen besonders interessant, weil sie das natürliche Verhalten der Tiere zeigen und einem Bild automatisch mehr Geschichte geben. Mein wichtigstes Learning daraus war deshalb ziemlich einfach: erst beobachten, dann fotografieren.

Warum man der Herde nicht einfach hinterherlaufen sollte

Die Pferde sind ständig in Bewegung. Auch beim Grasen zieht die Herde Stück für Stück weiter und entsprechend bewegt man sich als Fotograf ebenfalls immer wieder mit.

Dabei sollte man allerdings nicht einfach permanent hinter den Pferden herlaufen. Zum einen möchte man die Tiere natürlich nicht treiben, zum anderen produziert man aus dieser Position irgendwann erstaunlich viele Bilder von Pferdehintern. Spannender ist es, sich mit genügend Abstand seitlich zur Bewegungsrichtung zu positionieren. Mit einem Teleobjektiv lässt sich die Distanz anschließend optisch überbrücken.

Wenn man erkennt, in welche Richtung die Pferde ziehen, kann es zudem interessant sein, sich ein Stück voraus zu positionieren und darauf zu warten, dass die Herde auf einen zukommt. Gerade dabei entstehen oft deutlich abwechslungsreichere Motive.

Plötzlich standen zwei Wildpferde direkt vor mir

Während der gesamten Tour galt eine wichtige Regel: Wir sollten nicht aktiv mit den Wildpferden interagieren, damit die Tiere ihre natürliche Zurückhaltung gegenüber Menschen behalten. Gerade junge Pferde können allerdings ausgesprochen neugierig sein – und genau das habe ich selbst erlebt.

Ich war gerade mit einem langen Teleobjektiv beschäftigt und ziemlich auf mein Motiv konzentriert. Als ich die Kamera irgendwann vom Gesicht nahm, standen plötzlich ein Jährling und ein Fohlen fast direkt vor mir. Der erste Gedanke war natürlich: Wie cool ist das denn? Gleichzeitig merkt man sofort, wie groß der Impuls ist, mit den Tieren zu interagieren oder sie vielleicht noch ein Stück näher kommen zu lassen.

Genau das sollten wir jedoch vermeiden. Also habe ich mich groß gemacht und mit einer deutlichen Bewegung wieder Distanz geschaffen. Die beiden wichen zurück und orientierten sich anschließend wieder in Richtung der Herde.

Für mich war das ein ziemlich eindrücklicher Moment, weil man gerade in der Tierfotografie Nähe schnell mit einem besonders guten Bild verbindet. Hier ist es aber genau andersherum: Das gute Foto sollte nicht dadurch entstehen, dass ich das natürliche Verhalten des Tieres verändere.

Deshalb sollten auch Fotorucksäcke oder anderes Equipment nicht unbeobachtet auf der Wiese liegen bleiben. Für neugierige Jungtiere kann so etwas schnell interessanter werden, als man denkt.

Fohlen, Decksaison und der jährliche Wildpferdefang

Auch die Fortpflanzung der Herde wird nur so weit reguliert, wie es für ihren langfristigen Erhalt notwendig ist. Ein Hengst kommt einmal jährlich für eine begrenzte Decksaison zur Stutenherde. Den restlichen Teil des Jahres lebt er mit anderen Hengsten in Merfeld. Durch diese begrenzte Decksaison lässt sich verhindern, dass die Herde kontinuierlich wächst. Gleichzeitig kann Inzucht vermieden werden.

Nach ungefähr elf Monaten Tragzeit kommen die Fohlen zur Welt. Die meisten werden im April geboren und ungefähr ein Jahr lang gesäugt. Die jungen Stuten bleiben anschließend in der Herde, während es bei den jungen Hengsten anders aussieht.

Mit ungefähr einem Jahr werden sie geschlechtsreif. In vollkommen freier Natur würden sie von erwachsenen Hengsten aus der Herde verdrängt, sich zu Junggesellengruppen zusammenschließen und später um eigene Stutenherden konkurrieren. Auf dem begrenzten Gebiet des Merfelder Bruchs ist dieser natürliche Ablauf jedoch nicht möglich.

Deshalb findet seit 1907 alljährlich am letzten Samstag im Mai der Wildpferdefang statt. Dabei werden die einjährigen Hengste aus der Herde herausgefangen. Der Fang erfolgt von Hand und ohne klassische Fanghilfsmittel. Die beteiligten Fänger werden dafür jährlich durch eine Verhaltensbiologin geschult, die Veranstaltung wird von der zuständigen Veterinärbehörde genehmigt und tierschutzrechtlich überwacht.

Die Junghengste werden anschließend versteigert und kommen in menschliche Obhut. Die Erlöse aus der Versteigerung fließen wiederum in den Erhalt der Wildpferde und ihres Lebensraums.

Fotografieren heißt auch: Perspektive wechseln

Neben dem Wissen über die Pferde ging es während des Workshops natürlich ganz konkret um Fotografie. Blende, Belichtungszeit, ISO, Fokus und Belichtung gehörten ebenso dazu wie die Frage nach der Bildgestaltung.

Besonders wichtig fand ich den Hinweis, nicht einfach nur im Stehen zu fotografieren. In die Hocke gehen, die Kamera näher zum Boden bringen, Gras bewusst unscharf im Vordergrund einsetzen oder zwischen zwei Bäumen hindurch fotografieren – manchmal reicht schon ein kleiner Positionswechsel und aus einem gewöhnlichen Bild wird plötzlich ein deutlich interessanteres Motiv.

Auch innerhalb einer Gruppe kann man bewusst nach Besonderheiten suchen. Wenn fast alle Pferde in dieselbe Richtung stehen und nur eines davon aus dieser Ordnung heraussticht, kann genau darin das eigentliche Motiv liegen. Bettina hat uns immer wieder dazu gebracht, nicht einfach draufzuhalten, sondern bewusster zu schauen.

Moderne Autofokus-Systeme sinnvoll nutzen

Gerade in der Tierfotografie helfen moderne Kameras enorm. Viele aktuelle Modelle bieten Augen- oder Motiverkennung für Tiere und können dadurch bei Bewegungen deutlich zuverlässiger auf dem relevanten Bereich bleiben.

Das ersetzt natürlich nicht das fotografische Verständnis. Aber wenn diese Funktionen vorhanden sind, sollte man auch wissen, wie man sie sinnvoll einsetzt. Genau hier fand ich die individuelle Betreuung hilfreich. In unserer Gruppe waren unterschiedliche Kamerasysteme vertreten und entsprechend konnte Bettina auf die jeweiligen Geräte und Einstellungen eingehen.

Ich selbst habe während des Workshops bewusst ein Kamerasystem verwendet, mit dem ich bisher kaum gearbeitet hatte. Das ist durchaus eine Herausforderung, aber gleichzeitig eine interessante Möglichkeit, Technik unter realen Bedingungen kennenzulernen.

Wer so etwas ebenfalls ausprobieren möchte, kann bei Foto Erhardt je nach Verfügbarkeit auch mit Leihgeräten arbeiten. Mein Tipp wäre trotzdem, vor dem Workshop zumindest die wichtigsten Funktionen einmal anzuschauen: Wo ändere ich ISO, Verschlusszeit und Blende? Wo aktiviere ich den Autofokusmodus, die Motiverkennung und Serienbilder? Dann bleibt draußen mehr Zeit für das eigentliche Motiv.

RAW, JPEG und möglichst viel schon in der Kamera richtig machen

Auch die Frage nach dem Dateiformat kam zur Sprache. RAW bietet deutlich mehr Möglichkeiten für die spätere Bearbeitung, während JPEG direkt verarbeitet vorliegt und weniger Speicher benötigt. Viele Kameras ermöglichen auch die parallele Speicherung beider Formate.

Spannender fand ich aber einen anderen Gedanken: Versuchen, das gute Bild möglichst schon während der Aufnahme entstehen zu lassen.

Natürlich gehört Bildbearbeitung heute zur digitalen Fotografie. Trotzdem kann die Möglichkeit, später fast alles zu verändern, dazu verleiten, sich bei der Aufnahme weniger Gedanken zu machen. Lieber noch einmal den Standort wechseln, den Bildausschnitt bewusster wählen, auf den Hintergrund achten und auf den richtigen Moment warten.

Auch Schwarz-Weiß kann man deshalb einmal direkt in der Kamera ausprobieren. Nicht weil man ein Farbfoto später nicht konvertieren könnte, sondern weil man bereits beim Fotografieren anders auf Licht, Strukturen und Kontraste achtet.

Welche Brennweite eignet sich für die Wildpferdefotografie?

Ich hatte an diesem Tag reichlich Auswahl dabei: unter anderem eine 600-mm-Festbrennweite, ein 200–600-mm-Telezoom, eine 400-mm-Festbrennweite und für kürzere Distanzen ein 24–105-mm-Zoom. Zum Testen war das großartig, zum Tragen eher weniger.

Lange Brennweiten sind hier definitiv sinnvoll, weil sie es ermöglichen, die Tiere aus respektvoller Entfernung bildfüllend zu fotografieren. Je nach Kamerasystem und gewünschtem Motiv können Bereiche wie 70–200 mm, 100–400 mm oder 200–600 mm sehr gut funktionieren.

Ich würde aber zusätzlich immer ein kürzeres Zoom dabeihaben. Denn Wildpferde halten sich nicht an die eigene Objektivplanung. Wenn eine Gruppe plötzlich näherkommt oder man bewusst mehrere Tiere mitsamt ihrer Umgebung zeigen möchte, können 400 oder 600 Millimeter schnell zu lang sein.

Mein Learning: lieber zwei Kameras als ständig Objektive wechseln

Wenn die Möglichkeit besteht, würde ich beim nächsten Mal eher zwei Kamerabodys mit unterschiedlichen Objektiven mitnehmen. Eine Kamera mit einem langen Teleobjektiv für weiter entfernte Motive und eine zweite mit einem kürzeren Zoom für Gruppen oder Situationen in der Nähe.

Das spart Objektivwechsel mitten im Gelände und man kann deutlich schneller auf neue Situationen reagieren. Gerade bei einer Herde, die ständig in Bewegung ist, kann das einen echten Unterschied machen.

Einbeinstativ, Speicherkarte und möglichst wenig Gewicht

Bei großen Teleobjektiven merkt man irgendwann jedes zusätzliche Gramm. Ich hatte deshalb ein leichtes Carbon-Einbeinstativ dabei und würde das wieder genauso machen. Mein klassisches Dreibeinstativ blieb dagegen im Auto – und das war im Nachhinein genau die richtige Entscheidung. Die Herde war dauerhaft in Bewegung und wir Workshop-Teilnehmer entsprechend auch. Ein großes Dreibein hätte dabei eher gebremst als geholfen.

Das Einbeinstativ war für diesen Einsatz deutlich praktischer: Es nimmt Gewicht von den Armen und bleibt gleichzeitig beweglich genug, um schnell die Position zu wechseln. Zusätzlich kann eine kleine Tripod-Base für das Einbeinstativ hilfreich sein. Die ausklappbaren Standfüße sorgen für etwas mehr Stabilität, ohne aus dem Einbeinstativ gleich ein schweres Dreibein zu machen.

Auch die Speicherkarte sollte zur Kamera passen. Wer schnelle Serien im RAW-Format fotografiert, produziert in kurzer Zeit enorme Datenmengen. Ist die Karte zu langsam, muss die Kamera irgendwann warten, bis der Pufferspeicher geleert ist. Geladene Ersatzakkus und ausreichend freier Speicher gehören deshalb ebenfalls in die Tasche.

Der Weg durchs Gelände gehört zum Workshop dazu

Ein Punkt, den man bei der Planung nicht unterschätzen sollte: Der Merfelder Bruch ist kein Fotostudio und auch kein Landschaftspark mit durchgehend befestigten Wegen. Je nachdem, wo sich die Pferde gerade befinden, geht es über Wiesen, kleinere Senken und gegebenenfalls durch bewaldete Bereiche.

Eine gewisse Trittsicherheit und Mobilität sollte man deshalb mitbringen. Festes, bequemes Schuhwerk ist aus meiner Sicht Pflicht, dazu kommen wettergerechte Kleidung und ausreichend Getränke.

Wer viel Equipment mitnehmen möchte, sollte sich außerdem vorher überlegen, wie es transportiert werden soll. Eine Teilnehmerin hatte beispielsweise einen Foto-Trolley dabei. Nachdem ich mehrere große Teleobjektive über das Gelände getragen hatte, konnte ich diesen Gedanken ziemlich gut nachvollziehen.

Vielleicht ist die wichtigste Ausrüstungsfrage deshalb am Ende gar nicht: „Was kann ich noch mitnehmen?“, sondern eher: Was brauche ich wirklich?

Der Dülmener ist streng genommen ein Pony

Auch optisch lohnt sich ein genauer Blick auf die Tiere. Mit einem Stockmaß von ungefähr 1,35 Metern zählen die Dülmener offiziell zu den Ponys.

Typisch sind mausgraue, gelbfalbe und braune Fellfarben. Schwarz, Weiß und Fuchsbraun kommen dagegen nur selten vor. Weiße Abzeichen sieht man entsprechend ebenfalls vergleichsweise wenig. Besonders charakteristisch ist der dunkle Aalstrich, der vom Hals über den Rücken bis zum Schweifansatz verläuft. Teilweise lassen sich außerdem angedeutete dunkle Streifen an den Beinen sowie schwarze Ohrränder erkennen.

Wenn man länger durch die Herde schaut, entdeckt man trotzdem erstaunlich viele individuelle Unterschiede – und damit wiederum spannende Fotomotive.

Für wen eignet sich der Wildpferde-Fotoworkshop?

Aus meiner Sicht muss man für diesen Workshop kein Fotoprofi sein. Wer noch am Anfang steht oder – wie ich – nach einer längeren Pause wieder stärker in die Fotografie einsteigen möchte, kann viele Grundlagen auffrischen. Wer seine Kamera bereits sicher beherrscht, kann sich stärker auf Bildgestaltung, Tierverhalten, Perspektiven und besondere Situationen konzentrieren.

Gerade das macht dieses Format aus meiner Sicht interessant: Jeder kann sich auf seinem eigenen Niveau mit dem Thema beschäftigen. Eine gewisse Mobilität sollte man allerdings mitbringen. Wer körperlich eingeschränkt ist oder sehr schweres Equipment transportieren möchte, sollte vorher abklären, welche Anforderungen beim jeweiligen Termin zu erwarten sind.

Mein Fazit: Vielleicht musste ich meine Fototasche einfach wieder auspacken

Am Ende habe ich aus diesem Workshop deutlich mehr mitgenommen als ein paar Speicherkarten voller Wildpferdefotos. Ich habe endlich einen Ort besucht, der mich seit meiner Kindheit begleitet. Ich habe viel über eine Pferdeherde gelernt, deren Leben sich in vielen Punkten erheblich von dem unterscheidet, was wir von unseren Hauspferden kennen. Und ich habe fotografisch wieder Dinge aufgefrischt, die bei mir über die vergangenen Jahre ziemlich weit nach hinten gerutscht waren.

Vor allem hat mir dieser Tag aber noch einmal gezeigt, warum ich früher so gerne fotografiert habe. Natürlich ist das Smartphone fantastisch. Es ist immer dabei, unkompliziert und die Bildqualität moderner Geräte ist beeindruckend. Aber für mich ersetzt es nicht dieses bewusste Fotografieren.

Mit einer Kamera suche ich nach einem Motiv. Ich ändere meine Position, warte auf einen bestimmten Moment und beschäftige mich mit Licht, Perspektive und Bildaufbau. Und irgendwann merkt man, dass man seit einer ganzen Weile überhaupt nicht mehr an den Alltag gedacht hat.

Vielleicht ist genau das der Punkt, den ich aus dem Workshop am meisten mitnehme. Und deshalb würde ich gerade Eltern, die früher gerne fotografiert haben, heute einen Rat geben: Legt eure Kamera nicht für Jahre weg, so wie ich es gemacht habe.

Wenn die große Fototasche neben Wickeltasche, Kinderwagen und allem anderen irgendwann zu viel wird, nehmt eine kleinere Kamera. Aber nehmt sie hin und wieder mit. Denn irgendwann sind die Wickeltaschen verschwunden, die Kinder sind größer und rückblickend hätte ich manche dieser Momente gerne nicht nur schnell mit dem Smartphone festgehalten.

Bei mir hat es ein bisschen gedauert, bis die Fototasche wieder häufiger mitkam. Und vielleicht brauchte es dafür tatsächlich erst 500 Hektar Natur, rund 400 Wildpferde und einen Nachmittag im Merfelder Bruch.


Über den Autor

Jan Meyer leitet seit Februar 2026 das Marketing bei Foto Erhardt. Zur Fotografie kam er schon deutlich früher und fotografierte unter anderem kleinere Konzerte und Veranstaltungen im Umfeld von OS-Community (Stay Blue). Die Dülmener Wildpferde kennt er bereits aus seiner Kindheit – durch das Buch „Jan und das Wildpferd“ von Heinrich Maria Denneborg. Der Workshop im Merfelder Bruch verbindet für ihn deshalb persönliche Erinnerung, wiederentdeckte Fotografie und den Blick hinter die Kulissen der Foto Erhardt Akademie.


Lust bekommen, selbst die Kamera einzupacken?

Die Foto Erhardt Akademie bietet weit mehr als klassische Grundlagen- und Fortgeschrittenenkurse. Bei unseren Praxisworkshops geht es raus aus dem Seminarraum und direkt zum Motiv – beispielsweise bei Makro-Workshops in botanischen Gärten, bei der Vogelfotografie mit zusätzlichem Artenwissen oder auf besonderen Fotoreisen wie unseren Kranichreisen.

Auch der Workshop „Dülmener Wildpferde im Fokus“ verbindet fotografische Praxis mit einer sachkundigen Führung und spannendem Hintergrundwissen über die Herde und ihren Lebensraum. Eine lange Telebrennweite ist dabei keine Voraussetzung: Je nachdem, wie sich die Pferde bewegen, kommt man ihnen auch mit ausreichend Abstand so nah, dass bereits mit einem Standardzoom spannende Aufnahmen möglich sind.

Der nächste Workshop bei den Dülmener Wildpferden ist für April 2027 geplant. Wer darüber hinaus Lust auf besondere Fotografie-Erlebnisse bekommen hat, findet alle Workshops sowie die aktuellen Termine online bei der Foto Erhardt Akademie.